Immer mehr Schulleiter in Bayern schmeißen hin, berichtete die Süddeutsche Zeitung in der letzten Woche. Mehr als 65 Ersuche von Rektoren auf Entpflichtung hat der BLLV im laufenden Kalenderjahr gezählt. Vor Corona sei es nie mehr als eine Handvoll gewesen. Viele wollten den Posten wegen Überlastung aufgeben. Der Grund sei die Corona-Pandemie. Gelegenheit, einmal bei unserer Schulleiterin Frau Langenfelder nachzufragen.

Am Wochenende waren Sie einkaufen und haben Wärmeflaschen für Ihr Kollegium besorgt. Ist der Frost so stark oder der Frust so groß?
Sowohl als auch. Durch die Dauerlüftung in den Klassenzimmern sind die Temperaturen im gesamten Schulhaus extrem niedrig. Kein normaler Arbeitnehmer würde sich vermutlich auf solche Arbeitsbedingungen einlassen.

Und der Frust?
Der ist tatsächlich groß! Bereits vor Allerheiligen hatte ich gehofft, dass wieder Kontaktbeschränkungen eingeführt werden. Leider kam es nicht so, es wurde munter drauflos gefeiert und die Zahlen gingen rapide nach oben. Die Leidtragenden sind nun wieder die Schüler: Maskenpflicht im Unterricht und nachmittags fällt der Sport in den Vereinen aus.

Ihnen wird nachgesagt, dass sie auch in angespannten Situationen Ihre Ruhe und Ihren Humor behalten.
Danke, das hört man gerne. Ich bin sehr bemüht, Ruhe und Souveränität auszustrahlen. Vermutlich ist auch immer ein Stück Resignation dabei. Die Nerven liegen oft genug blank.

Aber diese Gelassenheit kann man nicht nur ausstrahlen, man muss sie in sich tragen.
Während einer längeren Skilehrertätigkeit in Japan vor mehreren Jahren habe ich gelernt, dass man manche Dinge nicht ändern kann. Man muss sich damit abfinden. Es hat gar keinen Sinn, sich darüber aufzuregen. Man muss einfach das Beste daraus machen.

Kann es sein, dass ein gutes Arbeitsklima ansteckender ist als ein Covid-Virus?
Das Arbeitsklima an unserer Schule ist wirklich top. Das macht es definitiv leichter, die ganze Situation zu händeln. Hier ziehen alle an einem Strang, dem Virus geben wir dadurch so wenig Angriffsfläche wie möglich, was bisher erstaunlich gut gelungen ist.

Wie gestaltet sich Ihre Arbeitswoche in Zeiten der Pandemie?
Sehr anstrengend. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt im Schnitt mehr als 50 Stunden, und auch an den Wochenenden kommt man nicht zur Ruhe. Regelmäßig müssen die Schreiben des Kultusministers in Elternbriefe umgeschrieben werden und jeden Samstag und Sonntag ist wegen positiv getesteter Schüler der Kontakt zum Elternhaus herzustellen und die Arbeit fürs Gesundheitsamt zu erledigen.

Sollte man den Studentinnen und Studenten des Lehramts künftig auch medizinische Kenntnisse vermitteln?
Die Kontaktnachverfolgung bei Fällen in der Schule und die gesamten nötigen „Coronaplanungen“ verursachen viele zusätzliche Arbeitsstunden. In meinem Büro sieht es aus wie in einer Arztpraxis. Die eigentliche Arbeit einer Schulleiterin bleibt dabei oft auf der Strecke, genauso wie das Privatleben.

Gleich zu Beginn Ihrer offiziellen Amtszeit im Frühjahr 2020 kam auch die Pandemie in Fahrt. Seither bestimmt sie das schulische Geschehen landauf landab. Und: Es ist kein Ende in Sicht.
Meine Hoffnungen bisher lagen immer auf dem kommenden Frühjahr: zunächst war es das Frühjahr 2020, dann das Frühjahr 2021, und jetzt hoffe ich auf den Frühling 2022. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das ganze Thema damit tatsächlich ausgestanden ist.

Wie schaut´s mit der Impfbereitschaft Ihrer Lehrer aus?
Ich bin froh, dass an unserer Schule knapp 95 % aller Lehrkräfte und Mitarbeiter geimpft sind und habe die Hoffnung, dass die Impfquote auch bei den Erwachsenen in der Bevölkerung noch weiter zunimmt.

Glauben Sie, dass die ministeriellen Vorgaben aus München geeignet sind, um das schulische Geschehen einigermaßen in den Griff zu bekommen?
Hierzu möchte ich mich lieber nicht äußern.

Viele Schülerinnen und Schüler sagen, es sei gut regelmäßig in die Schule gehen zu können. Sie beklagen aber auch, dass ganz zentrale Dinge des Schullebens wie Abschlussfahrten oder Sportturniere wiederholt ins Wasser fallen.

Dies ist in den vergangenen zwei Jahren leider oft der Fall gewesen, auch wenn wir versucht haben, Veranstaltungen stattfinden in Gang zu setzen. Fast zwei Jahre lang konnten keine Fahrten mit Übernachtungen stattfinden. Und dies wird auch vorerst so bleiben.

Aber andere Schulen sehen das anders.
Die Gefahr einer Ausbreitung des Infektionsgeschehens ist bei Übernachtungsfahrten in unseren Augen einfach zu groß. Andere Schulen haben es zu spüren bekommen. Ich bin froh, dass wir uns gegen solche Fahrten entschieden haben. Wir müssen erst mal sehen, wie lange wir noch Präsenzunterricht durchführen dürfen. Der Winter hat gerade erst begonnen.

Worauf stützen Sie Ihre Hoffnung auf ein besseres Frühjahr in 2022?
Ich kann nur an die Erwachsenen appellieren: Bitte, lassen Sie sich impfen. Lassen Sie sich testen, auch wenn Sie geimpft oder genesen sind, so wie unsere Schüler und Lehrkräfte es seit Monaten tun. Unsere Mädels und Buben zeigen diesbezüglich ein enormes Verantwortungsbewusstsein! Sie hätten es verdient, wieder ein „normales“ Leben in Schule, Familie und Freizeit führen zu können.

Johannes Vesper

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