Nach ihrem Schulabschluss erwartet Jugendliche heutzutage ein breites Spektrum an beruflichen und schulischen Ausbildungsmöglichkeiten. Doch nicht jedem Schulabgänger gelingt es, in dem Beruf Fuß zu fassen, den er sich wünscht und für den er geeignet ist. Auf der diesjährigen Berufsmesse „Marktplatz Zukunft “, die am vergangenen Dienstag an unserer Schule ihre achte Auflage erlebte, gab es Gelegenheit sich Infos rund um den Ausbildungsmarkt aus erster Hand einzuholen.

Heute ist Peter 28 Jahre alt. Da er sich mit schulischer Lernarbeit nie so recht anfreunden konnte, musste der Jugendliche schon bald die Realschule verlassen. Aber auch auf der einstigen Hauptschule schien sein Werdegang nur von begrenzter Dauer. Bis zu dem Tag, als er ein zweiwöchiges Betriebspraktikum in der Reparaturwerkstatt eines Autohauses absolvierte. Der Firmenchef war von der Einsatzbereitschaft und den Fertigkeiten des Jungen so beeindruckt, dass er ihm gleich einen Lehrvertrag anbot. Von da an nahm Peters Persönlichkeitsentwicklung eine unerwartete Wendung: Er ließ zunehmend Lerneifer und ein hohes Maß an Sozialkompetenz erkennen. Heute ist der gelernt Mechatroniker Meister und leitender Angestellter in einem großen Fachbetrieb der Region.

Auch wenn man seine Stärken kennt und weiß, wohin man will, gehört immer auch eine Portion Glück dazu, um genau dort zu landen, wo man sich mit seinen Fähigkeiten entfalten kann und sich eingebunden fühlt. Immer öfter kämen junge Leute von einem Praktikum mit einer Lehrstellenzusage zurück, so Wirtschaftslehrer, Herr Herold, dem es gemeinsam mit seinem Team, zu dem Frau Angerer, Frau Madlindl, Frau Wilhelm, Frau Bauer und Herr Päckert gehörten, auch heuer wieder gelang das Schulhaus in der Kerschensteinerstraße in ein innovatives Messegelände mit professionellen Firmenpräsentationen zu verwandeln.

Große Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten

„Wir freuen uns, dass auch heuer wieder zahlreiche Unternehmen aus der Region, weiterführende Schulen und andere Institutionen unserer Einladung gefolgt sind“, zog Organisator, Herr Herold, ein positives Fazit einer Veranstaltung, auf der die Gastronomie ebenso vertreten war wie das heimische Handwerk, Versicherungen, Banken, Tourismus, Verwaltung und Alten- und Krankenpflege. Polizei und Bundeswehr weckten ebenso das Interesse der jungen Leute wie die Repräsentanten verschiedener Fachschulen und großer Autohäuser. Auch über das Steuerwesen, über die Ausbildungsmöglichkeiten in verschiedenen Ämtern oder Tätigkeiten im sozialen Bereich konnte man sich an über 40 Ständen informieren.

Die Berufsmesse ist eine von mehreren Maßnahmen zur Berufsvorbereitung, wie sie heute viele Schulen anbieten. Betriebspraktika, Bewerbertraining, Assessment-Center, der Besuch im BIZ und die Gruppen- und Einzelberatung durch den Berufsberater vor Ort gehörten in seiner Schule ebenso dazu, so unser Schulleiter, Herr Thoma, der lobende Worte für das Engagement der beteiligten Lehrkräfte, aber auch für die gelungene Kooperation mit den anwesenden Firmen fand. „Wichtig ist es für Schulen und Eltern auf dem neuesten Stand zu sein, was die beruflichen Perspektiven der Jugendlichen angeht“, so Herr Thoma. Erfreut zeigte sich der Schulleiter über den zwischenzeitlich starken Besucherandrang. Eine Berufsmesse in dieser Form sei eine gute Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern.

Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Ausbildungsberufen haben angehende Azubis heutzutage die Qual der Wahl, über 330 Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland. Oftmals würden die Jugendlichen nur eine Handvoll kennen, so Berufsberater Klaus Gottschalk von der Arbeitsagentur Traunstein. „Bei der großen Anzahl an Ausbildungsmöglichkeiten orientieren sie sich zuerst am eigenen Umfeld und schauen darauf, welche Berufe Eltern, Freunde und Bekannte ausüben.“ Viele seien nicht ausreichend über ihre Möglichkeiten informiert, so der Experte für Arbeitsmarktfragen. Der Wunsch nach Beratung und Orientierung sei bei den Jugendlichen sehr groß. „Immer mehr Schüler nutzten die Möglichkeit eines Betriebspraktikums in den Ferien, um Erfahrungen im Berufsalltag zu sammeln“, so der Leiter der Fachschaft Wirtschaft, Herr Herold.

Mit breit aufgestellten Kompetenzen ins Arbeitsleben

„Die mittlere Reife steht bei vielen Firmen hoch im Kurs, so Herr Gottschalk: „Das liegt an ihrer praxis- und berufsorientierten Ausrichtung.“ Sie eröffnet ein breites Spektrum beruflicher Aus- und schulischer Weiterbildung. „Es stehen einem mit dem mittleren Schulabschluss alle Wege offen“, so der Berufsberater aus Traunstein. Die moderne Arbeitsweltwelt ist unaufhörlichen Wandlungsprozessen unterworfen. Berufliche Anforderungen verändern sich permanent, was dem Arbeitnehmer heutzutage ein erhöhtes Maß an Flexibilität und kontinuierlicher Lernbereitschaft abverlangt. Der hohe Aufforderungscharakter manueller Arbeitsprozesse fordert immer öfter auch Abiturienten heraus. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden mit Hochschulzugangsberechtigung. Im Ausbildungsjahr 2016/17 verfügten etwas mehr als jeder vierte Bewerber über die Fachhochschul- oder Hochschulreife.

Die Lehrpläne in den Schulen erfahren derweil eine kompetenzorientierte Ausrichtung. Tagtäglich wird den Schülern eine flexible und gezielte Bewältigung von verschiedenen Situationen und Aufgaben abverlangt, so dass die Jugendlichen immer wieder gefordert sind, ihr Wissen, Können und Wollen situationsgerecht in gezieltes Handeln umzusetzen. Um dazu in der Lage zu sein, müssen sie sich verschiedene Kompetenzen erworben haben, die sie, wenn es erforderlich ist, einbringen sollten. „Eigenverantwortung, selbständiges Denken, soziale Kompetenzen, Teamfähigkeit oder sprachliche Ausdrucksfähigkeit sind wichtige Grundlagen“, so der Experte für Arbeitsmarktfragen. Auch wenn eine Ausbildung abgeschlossen sei, habe man noch lange nicht ausgelernt. Lernen sei heute ein Prozess, der einen ein Leben lang begleitet.


Die MINT-Berufe stünden im Hinblick auf die Zukunft der Jugendlichen ganz weit oben. „Wer in diesen Bereich investiert und seine Stärken auf naturwissenschaftlich-technischem Gebiet hat, dem eröffnen sich sehr gute berufliche Perspektiven“, so Herr Gottschalk. Im Trend lägen derzeit Handwerksberufe in modernem Gewand. Berufe aus der Metalltechnik wie der des Zerspannungsmechanikers oder Mechatronikers liegen bei den Jugendlichen im Trend. Aber auch für Schüler, die sich für MINT weniger begeistern, gibt es zahlreiche interessante Alternativen mit hohem Aufforderungscharakter. In den Bereichen Sprachen, Kultur, Reisen oder Marketing gäbe es ein breites Spektrum an Arbeitsfeldern. Man müsse jedoch auch mal zu einem Wechsel seines Wohnorts bereit sein. Doch die jetzige Generation blicke in eine aussichtsreiche berufliche Zukunft, so der Berufsberater.

J. Vesper

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