Wenn ein Schulhaus seine Pforten für Besucher öffnet, gibt´s eine Menge unterschiedlichster Aktivitäten unter die Lupe zu nehmen, wobei nicht selten das ein oder andere Highlight, das besonders im Gedächtnis bleibt, zutage gefördert wird. Eine originelle Präsentation der Fachschaft Katholische Religion gehörte diesmal zu den Höhepunkten am Tag der offenen Tür in unserer Schule.

Zahlreiche Eltern waren mit ihren Kindern gekommen, um sich einen Einblick in den Schulbetrieb zu verschaffen. Denn in Kürze stehen für die Viertklässler die Entscheidungen über die weitere Schullaufbahn an. Gleich im Eingangsbereich stieß man auf ein „Schmankerl“ der besonderen Art: eine mundartliche Abfassung des Markusevangeliums, die man käuflich erwerben konnte.

Im Religionsunterricht hatten Mädchen und Buben der höheren Jahrgänge mit ihrem Religionslehrer, Herrn Meier, das Markusevangelium ins Bayerische übersetzt. Auf der Titelseite des Gehefts ist der „Jesei“ abgebildet, mit einer Kniebundlederhose und Stricksocken im heimischen Trachtenlook. „Am Ofang vom Evangelium vom Jesus Christus, vom Bua vom Gott“, so heißt es in „Hanse da Deiffa“, 1,1 – 8, gleich zu Beginn, während das Ende bekanntlich mit „da Doud vom Jesei“, 15,33 – 41, die Lebensgeschichte des Heilands beschließt. Entstanden ist ein umfassender und schön gestalteter Einband, der zum Lesen und Schmunzeln anregt.

Bereits im Schuljahr 2014/ 15 startete Herr Meier dieses viel beachtete und kreative Projekt mit seinen Schülern. Dabei handelt es sich jedoch nicht, wie man vermuten könnte, um die Erarbeitung sprachkarikierender Darlegungen des „Wiakns vom Jesei“, sondern um ein „selbsttätiges Erschließen biblischer Texte“, wie es im Lehrplan steht. Sehr intensiv, mit viel Freude und Einsatzbereitschaft hätten sich seine Schüler an die Arbeit gemacht, so Herr Meier. Nachdem er schon im Vorwort lobende Worte für das Werk gefunden hatte, ließ es sich Bürgermeister Josef Flatscher nicht nehmen, gemeinsam mit dem Pädagogen eine kurze Lesung dazu in der voll besetzten Aula abzuhalten.

Wer an diesem Samstag den Weg in die Realschule gefunden hatte, der konnte feststellen, dass Lernen, immer häufiger die Selbstständigkeit der Schüler fordernd und fördernd, vielfach projektorientiert abläuft. Schulischer Unterricht hat sich in den letzten Jahren stark verändert und mit ihm auch die Rahmenbedingungen. Ein elektronisch digitales Equipment auf hohem Niveau prägt die Ausstattung aller Klassenräume der Knabenrealschule. Es ermöglicht moderne Formen der Unterrichtsgestaltung, wie sie vor einigen Jahren noch undenkbar waren.

Zu Dank fühlt sich unser Schulleiter, Herr Thoma, deshalb in erster Linie gegenüber dem Schulträger verpflichtet. Es gebe nicht viele Schulen mit einem derart hochwertigen Interieur. Dokumentenlesegeräte, Beamer und Laptops mit Internetanschluss in sämtlichen Unterrichtsräumen ermöglichen vielfältige Formen der Erarbeitung und Präsentation. Ein webbasierendes, interaktives Stundenplansystem mit dem Namen WebUntis ersetzt das Klassenbuch früherer Tage und macht die Unterrichtsvormittage für Eltern und Schüler transparenter. Alle Fachschaften stellten sich zudem auch vor.

Wer sich in der Aula von der Schulleitung rund um den Übertritt an die weiterführende Schule eingehend informieren ließ und bei einem Rundgang durchs Schulhaus einen Eindruck vom Lernbetrieb gewinnen wollte, schloss sich einer Hausführung durch die Tutoren an. Hier wurde man an die zentralen Orte des Geschehens gebracht. Zu ihnen zählen, wie an jeder Schule, die Sportanlagen. Die erst vor wenigen Jahren errichtete, zweite Turnhalle mit integriertem Fitnessraum, der Kletterwand im Außenbereich, dem Minispielfeld, das auch für den Pausensport genutzt wird, und das Fußballfeld eröffnen viele Möglichkeiten für den Sportunterricht, den Pausensport und für die Sportangebote am Nachmittag.

Mädchen und Jungen haben schon in den unteren Klassen die Möglichkeit, verschiedene schulische Zusatzangebote zu wählen, wie zum Beispiel Robotik, Französisch oder Klettern. Zum schulischen Nachmittag zählt auch die Initiative der offenen Ganztagsschule, die ihr Lern- und Betreuungsangebot in den letzten Jahren stetig erweitert und verfeinert hat und sich im Untergeschoss präsentierte.

Die naturwissenschaftlichen Fächer rückten durch die MINT-Initiative verstärkt in den Vordergrund der Unterrichtsarbeit. „Als Partnerschule des Schülerforschungszentrums Berchtesgadener Land profitieren wir natürlich in besonderem Maße davon“, so der Schulleiter. Interaktive Mathematik mit Tablets, Mathe an Stationen oder Robotik, das sich bei Schülern aller Jahrgänge besonderer Beliebtheit erfreut, standen genauso auf dem Programm wie die Experimente in den Fächern Chemie und Physik, die die jungen Besucher ebenso begeisterten wie die Einführung ins Mikroskopieren im Fach Biologie.

Die MINT-Initiative habe zwar viel bewegt, so Herr Thoma. Aber das gehe in keinem Fall auf Kosten der anderen Fächer. „Wir behandeln alle Fachschaften absolut gleichrangig“, betont unser Rektor. Davon konnte man sich vor Ort überzeugen. So fand, wie schon in den letzten Jahren, die Mittelaltergruppe „Skri av Fenris“ aus Passau, die die Projektarbeit im Fach Geschichte unterstützt, gesteigertes Besucherinteresse. Zum Zuschauen und Mitmachen luden neben dem Fach Geschichte auch die Fächer Erdkunde, Betriebswirtschaftslehre, Werken, die Musikwerkstatt und das Schulorchester ein, um nur einige zu nennen.

Ein neuer Schulfilm sorgte für cineastische Unterhaltung, gleich nebenan konnte man sich im Märchenland verzaubern lassen. Vorösterliche Bastelarbeiten forderten zum Selbermachen auf. Für das leibliche Wohl hatten wieder der Schulelternbeirat und das Bistro Francais gesorgt. Die Besucher erlebten an diesem Vormittag ein ungewöhnlich breites und anspruchsvolles Spektrum schulischer Arbeit. „Unsere Lehrkräfte brachten sich auch in diesem Jahr wieder für ihre Fächer und die Schule in besonderem Maße ein“, fand Herr Thoma lobende Worte für das Engagement seines Kollegiums.

J. Vesper

 

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