In diesen Tagen starten die knapp 1,7 Millionen bayerischen Schülerinnen und Schüler in ihre zweite Schulwoche nach den Sommerferien. Während erste Schulen, Lerngruppen und Kitas coronabedingt schon wieder auf dem Rückzug sind, gehen die Buben unserer neuen 5 c mit viel Enthusiasmus zu Werke. Dabei vermögen die Maskenpflicht und der Hygieneplan ihre Lust auf Schule kaum zu bremsen.

In der zweiten Bankreihe sitzt Sebastian. Er trägt ein buntes Tuch mit Fußballmotiven, ein Produkt aus der häuslichen Nähstube seiner Mutter. Sein Banknachbar trägt ein ähnliches Modell zum Schutz von Mund und Nase. Kurz MNB wird die Mund-Nasen-Bedeckung genannt. Während sich am Wochenende bei strahlendem Sonnenschein zahlreiche Protestler auf deutschen Straßen vehement gegen das Tragen von Masken zur Wehr setzten, ist die Maske für die neuen Schüler der Klasse 5 c das Selbstverständlichste von der Welt.

Oft scheinen sie im Unterrichtsgeschehen und in ihrer neuen Umgebung so versunken, dass sie sie einfach vergessen. Die Kinder sind sichtlich in einem Zustand, den man Neudeutsch auch als Flow bezeichnet. „Kinder sind auf das soziale Miteinander in den Schulen angewiesen, es ist ihre Normalität,“ so Burkhard Rodeck. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bricht eine Lanze für den Präsenzunterricht. Und der ließe sich auch nicht so leicht ersetzen.

In einer vierstündigen Konferenz hatte Rektorin Andrea Langenfelder ihrem Kollegium anlässlich des Neustarts mitgeteilt, worauf es in diesen außergewöhnlichen Zeiten zu achten gilt. Die Eltern erfuhren es schon einen Tag früher. Überall sei die Maske zu tragen und das neun Schultage lang, bis zum Ende der zweiten Schulwoche, so die Schulleiterin. Wer sie vergessen habe, könne im Sekretariat Ersatz bekommen. Auch in den Bussen und Zügen des Öffentlichen Personennahverkehrs gelte das Tragen einer MNB als verpflichtend. Die Jungen berichten hierzu von unterschiedlichen Erfahrungen, hier ließe sich einiges optimieren und vorteilhafter gestalten.

"Mit so einer Maske wird einem immer gleich deutlich wärmer", sagt Fabian. Im Klassenzimmer sei es eh immer recht warm. Da helfe das Lüften auch nicht viel. Trotzdem freut er sich, dass jetzt die neue Klasse zusammenkommen kann. Er könne aber auch verstehen, dass nach der Schule jeder froh sei, wenn er die Maske abnehmen könne. „Nach der zweiten Schulwoche werden die Masken im Unterricht erst einmal für alle fallen, soweit es die Infektionslage zulasse,“ so unsere Rektorin Frau Langenfelder. Damit sich die Schülerinnen und Schüler außerhalb des Klassenzimmers weniger begegnen hat sich Mathelehrerin Frau Gründel einen filigranen Pausenplan ausgedacht, der die Lerngruppen in den Pausenzeiten geschickt voneinander trennt.

Und auch für den Fall, dass die Ansteckungszahlen wieder in die Höhe schnellen, hat das Kultusministerium vorgebaut. Dann greift ein Stufenplan: Zu beachten sind die aktuell festgelegten Stufen, die ab dem 19. September 2020 Anwendung finden würden: Stufe 1: Sieben-Tage-Inzidenz < 35 pro 100.000 Einwohner im Landkreis: Das bedeute Regelbetrieb unter Hygieneauflagen, so die Schulleiterin. „Während des Unterrichts ist keine MNB zu tragen. Unter den Schülern einer Klasse kann auf den Mindestabstand verzichtet werden“, so Langenfelder. Die anderen Regeln würden weiterhin gelten.

Stufe 2: Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 35 und < 50. In diesem Fall müsse auch im Unterricht die MNB getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden könne. Stufe 3: Sieben-Tage-Inzidenz ab 50 und mehr: Wiedereinführung des Mindestabstands von 1,5 m und Verpflichtung zum Tragen einer MNB auch während des Unterrichts. Stufe 3 würde an unserer Schule wieder zu einer Teilung der Klassen führen und zu Unterricht in Gruppen, der dann wieder abwechselnd in Form von Präsenz- und Distanzunterricht stattfände. In diesem Fall würden wir allerdings aktuell einen täglichen Wechsel der Unterrichtsgruppen bevorzugen! so Frau Langenfelder. Eine Gruppe hätte dann in der ersten Woche am Montag, Mittwoch und Freitag und in der Folgewoche am Dienstag und Donnerstag Präsenzunterricht, die zweite Gruppe entsprechend an den anderen Wochentagen. Die Einteilung würde dann erfolgt nach bereits bestehenden Gruppen. „Wir hoffen natürlich alle, dass es nicht wieder soweit kommen wird,“ so die Rektorin.

Johannes Vesper

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