Dominik Haselbeck ist wahrlich ein Meister seines Faches. Doch beim Besuch des 19fachen Kickbox-Weltmeisters ging es weniger um kämpferische Tugenden als um den richtigen „Kick für die Zukunft“ – unserer Neuntklässler.

Obwohl er immer öfter den Boxring mit dem Seminarraum vertauscht, ist die unverkennbare Kämpfernatur mehr als ein Relikt vergangener Tage. Haselbeck ist mit seinen 42 Jahren nach wie vor im Kickboxen aktiv – und das auf höchster Ebene. Man sieht es ihm zweifelsfrei an: drahtig, gewandt und austrainiert kommt er daher. Ein strahlendes Lächeln auf den Lippen und offenen Auges für den nächsten Moment.

Ein Gentleman-Fighter, der nach seiner erfolgreichen Karriere im Profisport jetzt durch die Lande tourt, um sein „Erfolgs-Rezept“ an Erwachsene und Jugendliche weiterzugeben. Sein Motto: „Kick for future“. Firmen, Vereine, öffentliche Institutionen, Sozialprojekte und Schulen buhlen um seine Gunst. An diesem Tag erwarten ihn die Schüler des neunten Jahrgangs.

Schon mit vier Jahren sei ihm klar gewesen, dass er irgendwann mal ein Weltmeister sein werde. Nur über die Sportart sei er sich im Unklaren gewesen. So wird er es später den Schülern erzählen. Als die Versuche im Fußball fehlgeschlagen seien, habe er sich im Kampfsport versucht. Und das mit grandiosem Erfolg. Welcher Sportler kann schon von sich behaupten, 19mal einen WM-Titel errungen zu haben?

Doch im Kreis der Schüler rückt kämpferisches Gebaren ins zweite Glied. Nichts passt weniger in ein auf Gewaltfreiheit ausgerichtetes Schulleben als ein Kickboxer, der Alptraum vieler Pädagogen. Auf diesem Terrain tritt der Kämpfer in ihm nur noch marginal in Erscheinung, wenn es darum geht, Sozialkompetenz, Selbstwert oder motorische Fähigkeiten zu entwickeln. Die Kernziele des Motivations- und Mentaltrainers aus dem niederbayerischen Neufahrn.

Wenn Haselbeck vor die Klasse tritt, überzeugt er mehr durch mentale Stärke als durch koordinierten Körpereinsatz. Und als Seminarleiter kann der Motivator einiges in die Waagschale werfen. Er zeigt nicht nur körperliche, sondern auch stimmliche Präsenz, so als ob er sich noch einmal für ein großes Finale puschen müsste.

Die Wünsche der Schüler sind andere. Es geht um innere Stärke, Belastbarkeit, Flexibilität und Zielstrebigkeit, nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gemeinschaft. Hier könne man einiges für sein Leben mitnehmen, sagt einer der Buben, der dieser Tage seine künftige Berufslaufbahn auslotet. In Zeiten der Pandemie kein leichtes Unterfangen. Umso wichtiger ist jetzt ein hohes Maß an Lebenskompetenz.

„Was brauche ich im Leben, um erfolgreich zu sein?“ Haselbeck formuliert einen Arbeitsauftrag für die Kleingruppen. Jetzt sind die Schüler an der Reihe: Teamwork, Disziplin, Körpersprache, Ehrgeiz, Selbstbewusstsein. Gängige Persönlichkeitsprofile kommen zur Sprache. Jeder kann sie mehr oder weniger in die Waagschale werfen. Man muss sie nur verinnerlichen und im Sinne seiner Ziele ausbauen und umsetzen. Und zwischendurch gibt´s natürlich Übungsformen aus dem Kickboxen: zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit.

Haselbecks „Kick for Future“ hat vor allem ein Ziel: Jugendlichen auf dem Weg in die Zukunft zu helfen. Seit zehn Jahren unterstützt er entsprechende Projekte. Seine Stippvisite in Freilassing kam auf Initiative der Stiftung Hubert Beck zustande. Es war nicht sein erster und sollte nicht sein letzter Besuch an der Knabenrealschule sein. Aber längst hat der Champions ein neues Ziel vor Augen. Im kommenden Jahr will er seinen 20 WM-Titel unter Dach und Fach bringen.

Johannes Vesper

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