In seiner Freizeit schnürt er die Fußballstiefel für den SV Laufen. Einstmals war er selbst Schüler unserer Schule. Heute schaut Florian Hollinger regelmäßig in der Funktion des Berufsberaters in der Knabenrealschule vorbei. Zu den Jugendlichen findet er schnell einen Draht.

Schulen und Ausbildungsbetriebe sind derzeit noch weit von der Normalität gewohnter Abläufe entfernt. Das wirkt sich zwangsläufig auch auf die Ausbildungssituation aus. Doch die biete jungen Leuten trotz allem gute Perspektiven. Davon ist Florian Hollinger von der Agentur für Arbeit Traunstein fest überzeugt.
Im Werkraum der Knabenrealschule steht Benedikt Reiter, Schüler einer Abschlussklasse, an der Werkbank und feilt an einem Salz- und Pfefferstreuer aus Holz. Der Junge hat Glück. Im Herbst wird er eine Ausbildung als NFZ-Mechatroniker im Autohaus Bachfrieder in Piding beginnen. Bevor er sich für diesen Beruf entschied, hat er acht Praktika absolviert. Jetzt freut er sich auf den Herbst und die Arbeit an Transportern und LKWs.
Viele Jugendliche in unserer Region haben Ausbildungsverträge für das kommende Lehrjahr unterschrieben, auch viele von Benedikts Klassenkameraden. Aber wie sicher sind die Stellen in Krisenzeiten? „Die Corona-Krise bleibt nicht ohne Folgen für die betriebliche Ausbildung,“ so Hollinger. Allerdings seien die negativen Konsequenzen bisher geringer ausgefallen als erwartet. Am meisten betroffen seien die Bereiche "verarbeitendes Gewerbe" und die "Gastronomie", so der Experte für Ausbildungsfragen.
Die Vorbereitung auf ihre Berufstätigkeit verläuft für viele Jugendliche in Zeiten der Pandemie mit angezogener Handbremse. Bewerbertraining, Berufsmessen, Praktika oder der Besuch im BIZ müssen gestrichen werden. Selbst über den Verlauf der alljährlichen Abschlussprüfungen hat derzeit niemand verlässliche Auskünfte parat. Der wochenlange Lockdown hat viele Betriebe hart getroffen, gerade kleinere, die einen großen Teil der Ausbildungsplätze anbieten. Welcher Handwerker, Gastronom oder Friseur führt Bewerbungsgespräche, wenn er nicht weiß, ob sein Unternehmen die Krise überhaupt überlebt?
Benedikt konnte aufgrund seiner praktischen Erfahrungen vielfältige Einblicke in die Berufswelt gewinnen und dadurch zu einer klaren Entscheidung für sich selbst finden. Oft sind Jugendliche mit ihren Fragen hinsichtlich der Berufswahl auf sich allein gestellt: Wie finde ich in dieser schweren Zeit einen Ausbildungsplatz? Wie bewerbe ich mich am besten? Wie läuft die Ausbildung in Zeiten von Corona ab? Doch trotz der angespannten Situation wirkten die jungen Leute gelassen und zuversichtlich, so der Traunsteiner Berufsberater. Das beobachte er immer wieder. „Die Jugendlichen sind in der Regel optimistisch und sie lassen sich nicht so leicht von negativer Stimmung herunterziehen,“ so der Profi für Ausbildungsfragen. Mit einem guten Schulabschluss bzw. einer abgeschlossenen Berufsausbildung stünden ihnen alle Wege offen.
Grundvoraussetzung für die richtige Berufswahl seien die persönlichen Interessen, so Hollinger, früher selbst Knabenrealschüler. „Und vorab die Klärung der Frage: Wie soll mein Arbeitsplatz künftig aussehen?“ Hinzu komme das Ausloten der eigenen Fähigkeiten. Ein Check der persönlichen Kompetenzen und Stärken. Außerdem sollten Ausbildungsmöglichkeiten und -stellen, die in Frage kommen genau analysiert werden. Zu allen drei zentralen Bereichen der Berufsfindung bieten die Agenturen für Arbeit und diverse Institutionen im Internet eine Vielzahl von Möglichkeiten berufsvorbereitender Recherche, so der Fachmann für Fragen rund um den Lehrstellenmarkt.
Auch wenn sich derzeit Erfahrungen wie sie Benedikt durch seine Vorort-Erkundungen des Berufslebens machen konnte, schwieriger gestalten als gewöhnlich, ist eine gründliche Berufsorientierung für die richtige Wahl der Ausbildung unabdinglich.
In den vergangenen Jahren stand den Jugendlichen regelmäßig ein breites Lehrstellenangebot zur Verfügung. Trotzdem konnten einige nicht Fuß fassen und blieben mit ihren Berufswünschen auf der Strecke. „Sehr häufig passe ein fester Berufswunsch nicht zu einem bestimmten Stellenprofil, so Hollinger. Dazu zählten natürlich auch die von den Betrieben geforderten schulischen Leistungen. „Außerdem informieren und bewerben sich viele Schüler einfach zu spät um einen Ausbildungsplatz,“ findet der Jobexperte mahnende Worte für eine zu laxe Haltung bei den Bewerbungsverfahren.
Die Chancen auf eine Lehrstelle stehen für die „Generation Corona“, wie sie gern genannt wird, sehr gut. Das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“, die Ausbildungsprämie für die Betriebe, der Fachkräftemangel, die rückläufige Zahl von Schulabgängern und der anhaltende Trend zum Studium stecken derzeit den äußeren Rahmen für den Berufseinstieg ab. Jetzt liegt es am Bewerber selbst, sich mit entsprechenden Qualifikationen aufzudrängen, so dass einem Betrieb keine andere Wahl mehr bleibt als ihn an sich zu binden.
Johannes Vesper

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