Die Effizienz von Online-Unterricht wird nicht durch Schlagworte wie „digitale Schule“, „digitales Klassenzimmer“ oder „Lernen 2.0“ bestimmt, sondern durch das Engagement einzelner Lehrkräfte, die ihren elektronischen Backround in den Beruf einbringen und ihre Kollegen zum Mitmachen motivieren. Für unsere Schule ist dies ein Glücksfall.

Es ist Samstagnachmittag, und Konrektor Martin Prechtl hat gerade ein neues Video für seine Kollegen ins Netz gestellt. Es erklärt verschiedene Rückmeldeverfahren an die Schüler, die Tag für Tag ihre Lernergebnisse von zu Hause aus in Moodle einstellen. Der Lehrer kann die Schülerarbeiten nicht nur mit einem schriftlichen Kommentar oder einer Bewertung versehen, sondern auch verbale Rückmeldungen platzieren, so dass er sich Gehör verschafft, wenn auch nur auf digitaler Ebene. Schon seit vielen Jahren ist Moodle an unserer Schule im Einsatz, doch erst im Zuge der Pandemie kommen die vielfältigen Möglichkeiten der Lernplattform umfassend zum Tragen.

Die Lehrkräfte der Knabenrealschule stellen ihren Schülern Arbeitsaufgaben aus ihren jeweiligen Fächern bereit. In den virtuellen Kursräumen, die Moodle zur Verfügung stellt, werden Arbeitsmaterialien und Lernaktivitäten präsentiert. Jeder Kurs kann so konfiguriert werden, dass nur angemeldete Teilnehmer ihn besuchen können.
Zu den Arbeitsmaterialien in den Kursen gehören Texte, Links und Dateien. Lernaktivitäten, Tests, Aufgaben, Lektionen etc. Die Anordnung von Arbeitsmaterialien und Lernaktivitäten erlauben unterschiedliche didaktische Szenarien.
Zu den standardmäßig in Moodle enthaltenen Lernaktivitäten zählt beispielsweise die „Abstimmung“, die einer kleinen Umfrage entspricht, oder das „Feedback“ zur Durchführung von Bewertungen. Mit einer „Aufgabe“ kann der Lehrende eine Übung vorgeben, die von Kursteilnehmern bearbeitet werden muss und dann als Text oder Datei termingerecht abzugeben ist. Dies können beispielsweise Ausarbeitungen, Präsentationen oder Berichte sein.
„In den Monaten der Pandemie konnten wir die digitalen Rahmenbedingungen noch einmal verbessern,“ so Herr Prechtl. Schon während des Studiums tüftelte der Konrektor nächtelang an der Lösung digitaler Probleme.
Vor dem lokalen Lockdown hatte die Knabenrealschule durch zwei Klassen und mehrere Lehrkräfte in Quarantäne schon Federn gelassen. Wann wieder normaler Alltag in Kitas, Schulen und die heimische Wirtschaft einkehrt, weiß noch niemand zu sagen. Niemals zuvor haben sich Schüler so sehr in den Unterrichtsalltag zurückgesehnt wie in diesen Tagen, obwohl ein Großteil der Realschüler durchweg über solide digitale Kenntnisse verfügt. Aber kein noch so ausgefeiltes digitales Setting kann das Miteinander im Schulhaus und in den Klassenräumen ersetzen, auch die pädagogische Arbeit der Lehrer bleibt beim Homeschooling auf der Strecke.
Zu den Freaks in Sachen digitale Medien zählen jene Schüler, die Englischlehrerin Irmengard Wenk in den frühen Morgenstunden an ihrem Tablet zur täglichen Lernarbeit begrüßt. Pünktlich zum virtuellen Unterrichtsstart haben sich all ihre Jungs, Schüler einer zehnten Klasse, – mit einer Ausnahme – zugeschaltet. Auch die allmorgendliche Kontrolle der Anwesenheit nehmen die Klassenleiter über Moodle vor. Die landläufige Vorstellung der Schülerschaft von flexiblen Arbeitszeiten am heimischen PC wurde von den Lehrern schnell zunichtegemacht. „Auch Online-Unterricht braucht feste Strukturen“ so Wenk. Im Rahmen einer Online Konferenz bietet die Freilassinger Krisen- und Resilienzpädagogin ihren Schülern Gelegenheit zu persönlichem Gespräch und Rückfragen. Jede Klasse wird an jedem Vormittag in dieser Form in Gespräch, Diskussion oder einen Smalltalk eingebunden. Der direkte Draht zu Lehrern und Mitschülern wird der Einzelarbeit vorweggeschickt.
„Durch mehrere Fortbildungen, Anleitungen und Lehrvideos haben wir uns für die digitale Arbeit fit gemacht“, so unser Konrektor, der gemeinsam mit seinem Team im Moment eine Mammutaufgabe stemmt. Doch die digitale Welt ist sein Steckenpferd und davon profitiert ein Kollegium mit vielen jungen Lehrkräften, die sich dieser Welt bereitwillig und in vollem Umfang öffnen.

Johannes Vesper

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