Für Johannes Langwieder ist Langeweile ein Fremdwort. Auch während des Lockdowns verbringt der Fünftklässler den Großteil seiner Freizeit mit landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem elterlichen Bauernhof in Leustetten in der Nähe des Abtsees. Das Landleben mit seinen bäuerlichen Rahmenbedingungen ist für ihn eine Herzensangelegenheit und darüber weiß er einiges zu erzählen:

4.30 Uhr…der Wecker klingelt und es ist Zeit zum Aufstehen. Die Kühe wollen gemolken werden und auch die Kälber haben bereits mächtig Hunger. So ein Tag auf dem Bauernhof beginnt früh…

Um diese Uhrzeit drehe ich mich aber noch mal um und träume allenfalls davon, wie ich mit dem Rückewagen quer durch unseren Wald rangiere und dabei die zum Verkauf gedachten Bäume aufsammle. Das darf ich nämlich schon manchmal und das macht mir so richtig Spaß.
Leider fängt bei mir der Tag zurzeit jeden Morgen mit dem Homeschooling an. Manchmal stehen sogar Videokonferenzen auf dem Stundenplan, so ist es kaum möglich betriebliche Arbeiten am Vormittag zu erledigen.

Bei uns im Stall findet man in erster Linie Milchkühe, sowie alle weiblichen Kälber bzw. Kalbinnen. Außerdem haben wir noch einige Hühner zur Eigenversorgung. Mein Huhn "Henriette" war vor kurzem sogar die Hauptfigur in meinem Englischvideo über Haustiere. Drei Katzen und zwei Hasen runden unseren Tierbestand ab.

Die einzelnen Jahreszeiten bestimmen größtenteils, welche Arbeiten gerade zu erledigen sind. Im Winter fällen wir Bäume, bringen unsere Maschinen wieder auf Vordermann und im Stall kommt auch das ein oder andere Kalb zur Welt. So eine Geburt ist für mich und meine vier Brüder oft ganz spannend, besonders dann, wenn Zwillinge das Licht der Welt erblicken.

Wenn im März die ersten warmen Sonnenstrahlen meine Nase kitzeln, wird es für uns Zeit die Wiesen zu düngen. Und so manchen kitzeln dann nicht nur die Sonnenstrahlen, sondern auch der Duft, der dann zweifelsohne in der Luft liegt. Aber vielleicht halten FFP2-Masken ja nicht nur Viren auf Abstand, sondern auch schlechte Gerüche.

Ende April legen wir mit der Aussaat vom Silomais los. Damit das einzelne Saatkorn gute Startbedingungen vorfindet, müssen die Felder gepflügt und die Schollen mit Hilfe einer Kreiselegge zerkleinert werden. Radio an, den Lautstärkeregler ordentlich nach rechts drehen und los geht´s…das Bearbeiten der Felder mit dem Trecker finde ich einfach cool.

Anfang Mai juckt es dann so gut wie jeden Landwirt in den Fingern…Es wird Zeit für den ersten Schnitt auf den Wiesen. Da werden noch einmal die Maschinen für die Grünlandernte durchgesehen, die Grasbestände kontrolliert und schließlich der Wetterbericht bis ins kleinste Detail studiert.
Da kann ich es dann schon kaum mehr erwarten bis endlich der Startschuss fällt und die Mähwerke an den Traktor angehängt werden. Bei dem Geräusch der laufenden Mähwerke drehe ich sogar für einen Moment die Musik leiser…und das will was heißen!

Für Spannung sorgt auch oftmals die Heuernte im Hochsommer und die Ernte des Getreides. Oftmals wird es zu einem Wettlauf mit der Zeit. Scheint die Sonne wirklich den ganzen Tag? Wird das trockene Wetter aushalten? Wann kommt das angekündigte Gewitter? Umso schöner ist es dann, wenn alles doch noch geklappt hat und das Heu und Getreide trocken heimgebracht werden konnte.

Langeweile kommt bei mir eigentlich nie auf: Jeden Tag steht etwas anderes auf dem Programm. Manchmal wundere ich mich, dass ich überhaupt noch Zeit für die Schule und für die Hausaufgaben habe…

Johannes Langwieder

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